Ein "Goldenes Fest"

Ein „Goldenes Fest“

 

Im Juli feierten P. Meinrad Schröger, P. Josè Hehenberger (Altäbte von Jequitiba) und P. Raphael Schweinberger ihr Goldenes Priesterjubiläum mit vielen Gästen, Freunden und Verwandten und der Pfarrgemeinde von Schlierbach.
Großes haben alle Jubilare geleistet, nur Weniges konnte in der Predigt von Abt Nikolaus erwähnt werden. Den Gottesdienst gestaltete der Stiftschor mit, Schuberts Messe in B wurde gesungen und musiziert. Bei der anschließenden Agape hatten alle die Gelegenheit mit den Jubilaren zu sprechen und zu gratulieren.

Festpredigt von Abt Nikolaus mit kurzen Lebensbeschreibungen

Liebe Gottesdienstbesucherinnen und Besucher, liebe Jubilare. Nun ist eine Predigt grundsätzlich nicht dazu da, einen Lobgesang auf menschliche Leistungen anzustimmen, sondern Gottes Wort in Zeit und Welt zu übersetzen, aber ein dreifaches goldenes Priesterjubiläum kommt nicht darum herum, zumindest kurz auch einige Daten und herausragende Wesenszüge der Jubilierenden zu nennen.
Ich möchte mit P. Meinrad beginnen. Geboren im schönen Mühlviertel, in Julbach, einem Ort, den du bis heute verbunden bist, kamst du mit 14 Jahren hierher nach Schlierbach zur Gärtnerlehre bei Bruder Georg, der euch sehr prägte und ein Beispiel gab. Es folgte der Besuch unseres Gymnasiums, die Matura 1962, der Ordenseintritt, das Theologiestudium in Innsbruck und am vergangenen Montag waren es 50 Jahre, dass du hier in der Stiftskirche zusammen mit P. Raphael und Herrn Wolfgang Fank aus dem Stift Vorau zum Priester geweiht wurdest. Es folgte eine Kaplanszeit in Micheldorf, Erziehertätigkeit im Stift und 1977 bist du nach Brasilien aufgebrochen. Dein Wirken dort kann ich kaum in Worte fassen, man muss es gesehen und erlebt haben. Was du in deiner bescheidenen Art alles aufgebaut hast, wieviel Freude Lehrer und Kinder noch heute über jeden deiner Besuche spüren lassen. Die Schulbildung aufzubauen war deine Stärke. Im Juni 1996 fiel die Wahl auf dich, du wurdest 2. Abt von Jequitiba, bliebst dies bis 2004. Noch immer bist du Stütze der Gemeinschaft, Seelsorger in einem weiten Gebiet.
P. Josè. Auch dein buntes Leben kurz zu schildern ist nicht einfach. Geboren in Strohheim hast du zunächst das Petrinum in Linz besucht, kamst dann in das Internat nach Schlierbach und hast hier große Vorbilder gefunden. „In Schlierbach habe ich aufgelebt“ hast du mir erzählt. Ebenso 1962 maturiert, tratst du hier in den Orden ein, hast aber schon früh die Bitte an den Abt herangetragen, Missionar zu werden. Am 7. Juli 1966 landete das Schiff mit dir an Bord in Rio und du begannst deine Tätigkeit im Kloster Jequitiba. Deine Priesterweihe war bereits in Brasilien im Dezember 1968. Der Einsatz für die Entrechteten, die Ausgebeuteten und Benachteiligten war dein Leben, besonders in der Stadt Jakobina, in deiner Pfarre. Für sie Bildungshäuser, Schulen zu errichten, ein Gesundheitshaus zu bauen. Meine jungen Mitbrüder und ich konnten uns bei unserem Besuch von deinem Einsatz wohl nur ein bescheidenes Bild machen. Und du, immer bescheiden im Hintergrund, immer auf die anderen verweisend, klar in deinen Haltungen, unerschrocken, selbst als man dir einen nahen Tod androhte. Du stehst zu deiner Überzeugung. Du hast mir einen schönen Satz gesagt, er zeigt dein Wesen: „Ich hab in der Schule viel Mist gebaut und da hat P. Othmar mal gesagt: `Wenn schon Mist, dann Optimist`“. Du wurdest zum 3. Abt von Jequitiba gewählt und hast dieses Amt von 2004 bis 2014 ausgeübt. Du bist noch immer unermüdlich bei den Deinen und für die Deinen da.
P. Raphael, mit dir kam 1954 ein Niederösterreicher in unsere Schule, damals nur als Internatsschule geführt. Der Matura folgte das Studium in Innsbruck, auch du wurdest am 2. Juli vor 50 Jahren hier von Bischof Zauner zum Priester geweiht. Die Seelsorgliche Tätigkeit begann hier in Schlierbach in der Jugendseelsorge, als Kooperator, es folgte die Zeit als Kooperator und Kaplan in Kirchdorf und Inzersdorf. Nach der Sponsion wurdest du Pfarrer in Schlierbach, gingst nochmals zum Doktoratsstudium nach Graz. 12 Jahre warst du Pfarrer in Wartberg wo du gerade in der Innenrenovierung der Pfarrkirche viel Engagement zeigen musstest. Seit 1991 hast du die zusätzliche Aufgabe des Diözesanpräses des Kolpingwerkes immer gerne wahrgenommen. Mit September 2002 übernahmst du die Pfarre Kirchdorf für 4 Jahre als Pfarrer. Du kamst wieder in das Kloster zurück, und bist immer gerne zu Aushilfen bereit, lange Jahre besonders in Leonstein. Du bist ein für Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse gesuchter Priester und hast besonders durch dein eifriges Schreiben Kontakt zu vielen Menschen im Kremstal.
Aber, wie Eingangs gesagt, Predigt soll nicht nur Lebensläufe erzählen, seien sie auch noch so spannend. Zwei Gedanken möchte ich aus den drei Leben für uns alle ablesen.
Der langjährige Bischof von Augsburg, ebenso langjähriger Abtprimas der Benediktiner, Viktor Josef Dammertz predigt zu einem ähnlichen Jubiläum, dabei sagt er etwas sehr Gültiges: „Jedes Jubiläum ist ein Fest der dankbaren Rückschau auf die Anfänge. Es ist ein Fest der Treue. Denn Treue ist die Fähigkeit und die Bereitschaft, allen Schwierigkeiten zum Trotz, unverbrüchlich zu einer einmal getroffenen Entscheidung zu stehen.“ Treue, so auch der Bischof, ist ein heute oft angefragtes und hinterfragtes Wort. Kann der Mensch in einer sich so schnell verändernden Welt zu einem getroffenen Entscheidungen überhaupt noch stehen? Treue ist ein hoher Wert und auch heute ein gültiger Wert, ohne den der Mensch sich selbst verliert. Treue fasst das ganze Leben eines Menschen zu einer Einheit zusammen; sie holt die Vergangenheit in die Gegenwart hinein und gestaltet den Augenblick im Vorgriff auf die Zukunft. Treue hat etwas von Ewigkeit in sich, sie macht auch die Würde und Größe eines Menschen aus. Ein Goldenes Jubiläum ist ein solches Fest der Treue, es zeigt, wie Gott treu zu uns steht, treu in allen Höhen und Tiefen. So dürfen wir ihm Antwort geben in der gelebten Treue, wo immer wir stehen. Wo Menschen Treue leben, zeigt sich Gottes Treue zum Menschen.
Alle drei die wir heute feiern, haben ihr Leben in Profess und Priesterweihe ganz „Gott geweiht“, Gott zur Verfügung gestellt, gesagt, ja, mit dir will ich es versuchen, du hast jene Worte ewigen Lebens, die ich täglich hören will, denen ich folge und die mein Leben gestalten. Alle haben auf ihre Weise Nachfolge zu leben versucht in Brasilien oder hier im Kremstal. Gerade in Brasilien auch unter großen Entbehrungen, ein Leben mit viel Verzicht und auch unter Gefahren. Eigentlich müsste man als junger Mensch davor zurückschrecken. Aber ihr sagt uns: nein, wir wurden so reich beschenkt, dieses Leben war spannend und hat sich gelohnt. Papst Benedikt schließt seine Predigt zum Beginn seines Pontifikates am 24. April 2005 am Petersplatz mit einem Zuruf an die jungen Christen, er sagt: „So möchte ich heute mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung eines eigenen langen Lebens sagen: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück.“ Auch ihr seid dafür ein lebendiges Zeugnis. Christus nimmt nichts, es ist Religion und Glaube keine Einschränkung meines Lebens, sondern weitet es. Und solche Zeuginnen und Zeugen braucht die Welt von heute, in Brasilien wie in Schlierbach. Dass ein Leben, geprägt und gestaltet aus dem Glauben, ein Leben in der Nachfolge Christi schön ist und bereichernd, sinngebend und man mit Christus an der Seite der Menschen reich wird, drüben und hier.

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